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… und die ganze Corona

“Corona” (= lat. “Krone”)  war noch nie ein guter Name. In Arbeiterkreisen mochte man adlige Kronen sowieso nicht. Und wenn einer davon sprach, dass jemand “mit seiner ganzen Corona” aufgetaucht sei, so bedeutete das “schlechte Gesellschaft”. Der Name für den Virus ist also gut gewählt.

Und er ist auf dem besten Weg, die Volkswirtschaften dieser Welt – und damit in erster Linie die arbeitenden Menschen – mehr zu schädigen als ein mittlerer Krieg.

Als Gesundheitsminister Spahn im Februar versicherte “Wir sind gut aufgestellt und auf alles vorbereitet”, wurde manchem schon mulmig: Diesen Herren hatte man noch nie so recht getraut. Und richtig: Als erstes gab es so gut wie keine Atemmasken mehr. Ein Armutszeugnis für ein Industrieland (“Wir sind auf alles vorbereitet”).

Aber es gibt ja eine “Behelfslösung”: Einfach anderthalb Meter Abstand halten. Oder der Rat einer Arzthelferin: “Nähen Sie sich doch selbst eine”. Das ist etwa so wie der berühmte Damenstrumpf als Ersatz für einen Keilriemen. Soviel zum möglichen “Einstieg” in eine Corona-Erkrankung. Am anderen Ende, bei den schwer Erkrankten, sieht’s ähnlich aus: Es gibt viel zu wenig Beatmungsgeräte (“Wir sind gut aufgestellt”). Und zwischen Einstieg und Ende: Kapitulation bei den Gesundheitsämtern, überlastete Kliniken, Mangel an Schutzanzügen, Mangel an Desinfektionsmitteln, bis an die Grenzen belastetes, schlecht bezahltes Pflegepersonal. Aus Italien hieß es, die Ärzte müssten oft schwerwiegende ethische Entscheidungen treffen. Nämlich die, wer ein Beatmungsgerät bekommt, und wer nicht. Hierzulande fällt diese Entscheidung wohl leichter: Es genügt wahrscheinlich die Frage “Privat oder Kasse?”. 

Da hilft dann nur noch der “lockdown” (ohne Englisch geht’s auch bei Corona nicht). Aber eine Möglichkeit, das zu vermeiden, machen uns Südkorea und Schweden vor. Das setzt jedoch voraus, dass man Infektionen schnell erkennen kann. Dazu braucht man Schnelltest-Sets. Auch an diesen mangelt es hierzulande (“Wir sind auf alles vorbereitet”). Selbst bei der Bundeskanzlerin dauerte es drei Tage, bis das treue Volk endlich aufatmen konnte: “Mutti” hat es nicht erwischt. Bei unsereinem dürfte das Warten auf Gewissheit etwas länger dauern.

Das alles konnte man unmöglich vorher wissen? Aber die Nachrichten aus China konnten mit drei Monaten “Vorlauf” als Lehrbeispiel dafür dienen, was auf uns zukommt, und auf was es dann ankommt. Aber auf die Chinesen hören? Anstatt z. B. mit Mundschutzen, Schutzkleidung und Beatmungsgeräten aufzurüsten, legte man lieber die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben lahm. Ein paar Millionen gespart – 20 bis 30 Milliarden Folgekosten. Wenn’s denn reicht. Und böse Zungen weisen darauf hin, dass sich möglicherweise

die Industriebosse die Verluste einer weltweiten Rezession, die sowieso auch ohne den Virus vor der Tür stand, aus der Steuerkasse vergüten lassen.

Da fällt einem nichts mehr ein. Außer vielleicht dem berühmten Spruch des Malers Max Liebermann: “Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte”.

Veröffentlicht inAllgemein